Anfangs in Fan-Zeitschriften, später dann im Internet hat sich eine neue Literaturgattung etabliert: Slash-Fanfiction. Leser*innen und Zuschauer*innen populärer Spielfilme und Fernsehserien machen sich die fiktiven Stoffe ihrer Lieblingsserien zu eigen und entwickeln sie weiter, indem sie Aspekte hinzufügen, die in den offiziellen Versionen ihrer Meinung nach \"fehlen\". Liebesbeziehungen zwischen bestimmten Charakteren spielen dabei eine besondere Rolle. Fanfiction bringt die Figuren zusammen, die nach Meinung der Fans zusammengehören: Captain Kirk und Mister Spock in \"Star Trek\", Boromir und Aragorn in \"Der Herr der Ringe\", Harry Potter und Draco, Sherlock Holmes und Dr. Watson oder auch Professor Boerne und Kommissar Thiel aus dem Münsteraner \"Tatort\". Die Anthologie \"In Texten wildern\" verdeutlicht die enorme Komplexität und Verbreitung von Slash-Fanfiction. Herausgeberin Anne Eßer hat für diesen Band eine Reihe profilierter Forscher*innen zum Thema gewonnen, darunter Medienwissenschaftlerin und Autorin Denise Labahn (\"Queere Fanfictions – Queere Utopien\"), US-Literaturwissenschaftler David M. Halperin (\"Was ist schwule Kultur?\") und Melanie Babenhauserheide (\"Harry Potter und die Widersprüche der Kulturindustrie\"). Damit die Beiträge für die breite Allgemeinheit zugänglich sind, ist jeder Aufsatz um ein konkretes Textbeispiel herum angelegt, das im Verfahren des \"close reading\" analysiert wird.
Die Beiträge in der Invertito-Jubiläumsausgabe zeigen, wie eng verwoben die osteuropäische LSBT-Geschichtsschreibung mit den aktuellen Forderungen nach einer Aufarbeitung der nationalsozialistischen und der stalinistischen Verfolgungsgeschichte sowie nach der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung queerer Menschen in Ost- und Ostmitteleuropa ist.
Aus dem Inhalt:
Ineta Lipša: Zur Performanz mann-männlichen Begehrens im öffentlichen Raum Lettlands in der Zeit des späten Stalinismus
Denisa Vídeňská: Exilantinnen der Liebe: Betrachtungen weiblicher Homosexualität in Lida Merlinovás Werk und Leben
Hans P. Soetaert: Jean Genet in Brno
Joanna Ostrowska: Das Archiv ist voll! Über die queeren Lebenswelten von Adam Gawron im 20. Jahrhundert
Lutz van Dijk: Queeres Erinnern in Polen. Wahrnehmungen aus 35 Jahren (1989–2024)
Weitere Beiträge:
Manfred Herzer-Wigglesworth: Magnus Hirschfeld als Rassist? Eine Dekonstruktion
Elena Barta: Lesbische Sichtbarkeit – gestern und heute. Festrede zum Jubiläum der Lesben Informations- und Beratungsstelle e. V. in Frankfurt am Main
Jakob Michelsen / Moritz Terfloth: Nachruf auf Bernd-Ulrich Hergemöller
Rezensionen:
Über neue Bücher von Elisa Heinrich, Arash Guitoo, Eva Taxacher, Hans-Peter Weingand, Klaus Müller, Andreas Brunner u. a.
EUR 25,00
Männerschwarm, Salzgeber Buchverlage GmbH; 1. Edi
300 Seiten
#schwul #Sachbuch
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Wie schwul ist die Operette? Darüber lässt sich ähnlich kontrovers diskutieren wie über die Frage, ob das Genre nur sinnfreies Hupfdohlen-Entertainment ist oder eine ernstzunehmende Kunstform. Als Leiter des Amsterdamer Operetta Research Centers hat Kevin Clarke zu beiden Punkten eine klare Haltung. Aus seiner Sicht ist das angestaubte Image der Operette einfach nur ein Missverständnis. Das ursprünglich innovative und gesellschaftskritische Genre wurde erst im Lauf der Zeit (vor allem durch die Nazis) auf das spießig-reaktionäre Heile-Welt-Format zurechtgestutzt, dem es seinen heutigen Ruf verdankt. Dass in diesem Zuge auch der progressive Umgang mit (Homo-)Sexualität verlorenging, ist ein Nebeneffekt dieser Entwicklung. Doch es bewegt sich was. Ob Barrie Kosky in Berlin, Sasha Regan mit ihren All-Male-Gilbert-and-Sullivan-Produktionen in England oder Nitzberg & Neill in den USA - allerorten besinnen sich Theatermacher*innen auf die anarchisch-queeren Ursprünge der Operette zurück, kulminierend in der „Operette für zwei schwule Tenöre“, mit der Johannes Kram und Florian Ludewig einen spektakulären Hit landeten. Und natürlich hat es auch in den Jahrzehnten zuvor immer wieder Inszenierungen gegeben, die sich dem subversiv-frivolen Geist der Urväter Offenbach & Hervé verpflichtet sahen. Von solchen Aufführungen und ihren historischen Vorbildern handelt „Glitter and Be Gay Reloaded“. Der Zusatz „Reloaded“ bezieht sich dabei nicht nur auf die Wiederbelebung des alten Bisses, sondern auch darauf, dass Clarke bereits 2007 in seinem seit Langem vergriffenen Sammelband „Glitter and Be Gay - Die authentische Operette und ihre schwulen Verehrer“ forderte, die Welt möge „die Scheuklappen ablegen und das Genre so betrachten, wie es ursprünglich gedacht war. Als Kunstform am Puls der Zeit, mit Witz und Pfiff. Und Sex in allen Formen und Variationen.“ Die Reloaded-Ausgabe ist eine vollständig überarbeitete und deutlich erweiterte Fassung des damaligen Werks. Neben den wichtigsten Grundlagentexten aus der Erstausgabe enthält sie neue Texte von Musical-Journalist Nick-Martin Sternitzke, US-Musiktheater-Experte Brian Valencia und Publikumsforscher Tillmann Triest. Weitere Beiträge liefern Philipp Amelungsen, Marie-Theres Arnbom, Rainer Bielfeldt, Andreas Gergen, Josef E. Köpplinger, Enrique Mejías García, Christophe Mirambeau, Richard Norton, Ralf Pleger, Ralf Jörg Raber, Axel Ranisch, John Rigby, Margot Schlönzke u. v. a. Natürlich meldet sich auch der Herausgeber selbst mit neuen Erkenntnissen zu Wort, die die jüngere Entwicklung spiegeln.
EUR 18,00
Männerschwarm, Salzgeber Buchverlage GmbH; 1. Edi
80 Seiten
#schwul #Comic
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Die Sexparty geht weiter – und gerät diesmal endgültig außer Kontrolle. Im zweiten Teil seiner \"Horny & High\"-Reihe greift der britische Comic-Künstler Ed Firth die \"Chillout\"-Episode aus Band 1 auf und spinnt sie virtuos weiter: Stu ist arbeitslos, pleite, verschuldet und steht kurz davor, sein WG-Zimmer zu verlieren. Ob all das daran liegt, dass ihm Drogen und Sex wichtiger sind als Job-Interviews und das Gemecker seiner Mitbewohner*innen? Statt sich dieser Frage zu stellen, erliegt der liebenswerte Chaot erneut der Verlockung einer Einladung zu einer privaten Sexparty. Er geht hin, wirft sich ins Getümmel und landet schon sehr bald in einer Parallelwelt. Die mehrtägige Orgie saugt ihn auf wie ein Schwamm, macht ihn erst horny, dann high und dann paranoid und implodiert am Ende in einem absurd existenzialistischen Horrortrip. \"Der zweite Teil ist längst fertig und grafisch noch anspruchsvoller\", schrieb Ralf König im Vorwort zur deutschen Erstausgabe von \"Horny & High, Vol. 1\". Er behält Recht. War Teil eins vor allem ein künstlerisches Statement, zieht Ed Firth diesmal alle Register seines erzählerischen Könnens. Schnörkellos, aber ideenreich fängt er die Gepflogenheiten der Chemsex-Szene ein und verwebt sie zu einem detailfreudigen Strom der Ereignisse inklusive drastischem Finale. Dass all das ohne moralischen Zeigefinger passiert, ist der authentischen Darstellung des Antihelden Stu und seiner Partyfreunde geschuldet. Man sieht den Jungs nicht nur zu, sondern die Welt mit ihren Augen. Ein psychedelisches, aufwühlendes und nicht nur grafisch im besten Sinne anspruchsvolles Vergnügen – zu dem Ralf König auch diesmal ein Vorwort beigesteuert hat.
EUR 28,00
Männerschwarm, Salzgeber Buchverlage GmbH; 1. Edi
360 Seiten
#schwul
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Johan ist jung, schön und hat alles, was er braucht. Mit seinem Vater und der alten Haushälterin Sien lebt er in einem großen Haus am Markt des traditionsreichen Städtchens Culemborg, genießt das noble Leben und studiert die wissenschaftliche Literatur des Vaters. Im Laufe der Pubertät überkommen ihn sexuelle Fantasien mit anderen Jungen, die sich auch auf seinen Vater ausdehnen. Als Johan sich seinem Vater offenbart, wendet der sich empört von ihm ab. Doch der belesene Johan ist überzeugt, dass seine Art zu lieben das gleiche Recht hat wie die Liebe der anderen. Er verlässt das Haus des Vaters, zieht in eine Pension, lernt den Maler René Richell kennen und lieben. Doch schon nach wenigen Wochen ungetrübten Glücks kommen Renés sadistische Neigungen zum Tragen – der Beginn eines brutalen Ringens von Liebe, Abhängigkeit und Verachtung, an dem Johan zugrunde gehen wird. Der jüdisch-niederländische Jurist und Autor Jacob Israël de Haan ist international vor allem bekannt, weil er 1924 in Jerusalem einem politischen Mord zum Opfer fiel. Zuvor hatte er 1904 mit \"Pijpelijntjes\" den ersten homosexuellen Roman der Niederlande herausgebracht. Das Buch kostete ihn seine Anstellungen als Lehrer und Journalist, hielt ihn aber nicht von der Veröffentlichung von \"Pathologieën\" (1908) ab. In Anbetracht seiner Entstehungszeit geht der Roman ungemein selbstbewusst an das Thema Homosexualität heran: Obwohl der Vater ihn dafür moralisch verdammt, lebt Johan sein Anderssein unbefangen aus – bis er an René gerät. Zum 100. Jahrestag der Ermordung de Haans hat der Übersetzer Olaf Knechten Pathologien erstmals ins Deutsche übertragen. Zudem enthält diese Ausgabe de Haans Erzählung \"Die Erlebnisse des Hélénus Marie Golesco\" und ein Nachwort des niederländischen Soziologen Gert Hekma.
Johan ist jung, schön und hat alles, was er braucht. Mit seinem Vater und der alten Haushälterin Sien lebt er in einem großen Haus am Markt des traditionsreichen Städtchens Culemborg, genießt das noble Leben und studiert die wissenschaftliche Literatur des Vaters. Im Laufe der Pubertät überkommen ihn sexuelle Fantasien mit anderen Jungen, die sich auch auf seinen Vater ausdehnen. Als Johan sich seinem Vater offenbart, wendet der sich empört von ihm ab. Doch der belesene Johan ist überzeugt, dass seine Art zu lieben das gleiche Recht hat wie die Liebe der anderen. Er verlässt das Haus des Vaters, zieht in eine Pension, lernt den Maler René Richell kennen und lieben. Doch schon nach wenigen Wochen ungetrübten Glücks kommen Renés sadistische Neigungen zum Tragen – der Beginn eines brutalen Ringens von Liebe, Abhängigkeit und Verachtung, an dem Johan zugrunde gehen wird.
Der jüdisch-niederländische Jurist und Autor Jacob Israël de Haan ist international vor allem bekannt, weil er 1924 in Jerusalem einem politischen Mord zum Opfer fiel. Zuvor hatte er 1904 mit \"Pijpelijntjes\" den ersten homosexuellen Roman der Niederlande herausgebracht. Das Buch kostete ihn seine Anstellungen als Lehrer und Journalist, hielt ihn aber nicht von der Veröffentlichung von \"Pathologieën\" (1908) ab. In Anbetracht seiner Entstehungszeit geht der Roman ungemein selbstbewusst an das Thema Homosexualität heran: Obwohl der Vater ihn dafür moralisch verdammt, lebt Johan sein Anderssein unbefangen aus – bis er an René gerät. Zum 100. Jahrestag der Ermordung de Haans hat der Übersetzer Olaf Knechten Pathologien erstmals ins Deutsche übertragen. Zudem enthält diese Ausgabe de Haans Erzählung \"Die Erlebnisse des Hélénus Marie Golesco\" und ein Nachwort des niederländischen Soziologen Gert Hekma.
In der SM-Beziehung übernimmt er die Verantwortung für seinen Sklaven, er ist Vorbild, Lehrer, Freund und strenger Erzieher in einer Person. Seine Aufgabe ist es, Situationen zu schaffen, in denen der Sklave sich fallen lassen, seine eigene Persönlichkeit aufgeben und sich an neue Grenzen führen lassen kann. Der Autor beschreibt die verschiedenen Rollen des Meisters, erklärt die Grundlage seiner Autorität und gibt Tipps für fantasievolle Inszenierungen.
Mit diesem Band präsentieren wir das Gegenstück zum \"Handbuch für Sklaven\", das im Herbst 2002 erschienen ist. \"Pauls\" Ratgeber richten sich gerade an solche Menschen, die sich über ihre erotischen Vorlieben klar werden oder ganz einfach mehr über ein Leben mit SM wissen wollen.
Andrea Schneider bei Amazon.de schreibt über \"Pauls Handbuch für Sklaven\" (Herbst 2002):
\"Beachtlich finde ich die Fähigkeit des Autors, das Gefühl seines SM zu beschreiben. \"Unverkopft\", mit einfachen Worten und klaren Bildern, macht er nachvollziehbar, was das Glück seiner sadomasochistischen Lust darstellt. Dass diese schwul ist, sollte für die möglicherweise heterosexuellen Leser fast nebensächlich sein. Denn als konkretes Handbuch für submissiv fühlende Menschen (und deren Spielpartner) steckt viel drin an Ideen und Möglichkeiten.\"
Pauls Bücher
Bd. 1: Die Entwicklung. Tagebuch einer SM-Beziehung 17. 12. 1983 - 6. 9. 1984
Bd. 2: Die Wende. Tagebuch einer SM-Beziehung 7. 9. 1984 - 16. 12. 1989
Bd. 3: Der Vertrag. Tagebuch einer SM-Beziehung 7. 2. 1998 - 12. 7. 1998
Bd. 4: Pauls Handbuch für Sklaven
Bd. 5: Pauls Handbuch für Meister
Gehorchen will gelernt sein - Tipps für den Sklavenalltag.
Als Sklave macht man, was der Meister sagt. Basta. Oder nicht? Schon in seinen \"Tagebüchern einer SM-Beziehung\" hat Paul gezeigt, dass das Klischee vom passiven Sklaven nicht stimmt, dass es für Meister und Sklaven erst dann wirklich befriedigend wird, wenn der Sklave genau so kreativ beteiligt ist wie der Meister. Und Paul kennt schließlich die eine Rolle so gut wie die andere.
Die Emanzipation sadomasochistischer Lebensweisen ist in den letzten Jahren nicht zu übersehen, allerdings fehlt es noch an praktischen Anleitungen in deutscher Sprache. Nach dem großen Erfolg des Bondage-Handbuchs von Tom Schmitt präsentieren wir nun ein \"Handbuch für Sklaven\". Seine Ratschläge sollen neben der allgemeinen Erläuterung gängiger Praktiken auch dazu dienen, dem Sklaven zu einem richtigen Verständnis seiner Rolle zu verhelfen und den psychologischen Hintergrund der verschiedenen Szenarios zu beleuchten. Beispiele aus der Korrespondenz des Autors mit einem Sklaven runden dieses praxisorientierte Handbuch ab.
Pauls Bücher
Bd. 1: Die Entwicklung. Tagebuch einer SM-Beziehung 17. 12. 1983 - 6. 9. 1984
Bd. 2: Die Wende. Tagebuch einer SM-Beziehung 7. 9. 1984 - 16. 12. 1989
Bd. 3: Der Vertrag. Tagebuch einer SM-Beziehung 7. 2. 1998 - 12. 7. 1998
Bd. 4: Pauls Handbuch für Sklaven
Bd. 5: Pauls Handbuch für Meister
Jacques d\'Adelswärd (1880–1923), der sich nach einem entfernten Ahnen Jacques Fersen nannte, ist als Autor von Romanen und vor allem Gedichten heute weitgehend vergessen; in Bibliotheken sind seine Bücher kaum zu finden, ebenso wenig seine Zeitschrift \"Akademos\", mit der er 1909 auch für die \"Andere Liebe\" eine Lanze brechen wollte. Wegen der Veranstaltung erotischer Tableaux vivants (die Presse sprach von Schwarzen Messen) wurde Fersen 1903 zu einer kurzen Haftstrafe verurteilt. Aufgrund dieses Skandals verlies er kurz darauf Paris. Auf Capri errichtete er auf einsamer Bergspitze eine klassizistische Villa, in der er mit seinem Sekretär und Geliebten Nino Cesarini lebte, den er durch viele Künstler verewigen ließ. Als Pariser Dandy und als markante Figur der \"homosexuellen Kolonie\" auf Capri ist auch er selbst zu einer literarischen Figur geworden (z. B. bei Jean Lorrain und Compton Mackenzie). Die Beiträge in dem mit zahlreichen Abbildungen geschmückten Band sichern die biographischen Fakten (in kritischer Auseinandersetzung mit Roger Peyrefittes Roman-Biographie \'Exil in Capri\'), bewerten Fersens literarisches Werk und stellen seine Zeitschrift \'Akademos\' vor:
Thomas Steinfeld: Jacques d\'Adelswärd-Fersen und seine Villa Lysis
Will H. L. Ogrinc: Jacques d\'Adelswärd-Fersen – Stationen seines Lebens
Paul Snijders: Jacques d\'Adelswärd-Fersen und seine Zeitschrift \"Akademos\"
Patricia Marcoz: Jacques d\'Adelswärd-Fersen als Autor
Wolfram Setz: Jacques d\'Adelswärd-Fersen, Roger Peyrefitte und andere
Liebeskummer, Cruising-Modus, Poppers-Rausch oder der Kater am Tag danach - wenn Comic-Künstler Ed Firth den Stift zückt, werden all diese Stimmungen spürbar. In seinen farbintensiven Comic-Tableaus konfrontiert Firth die Betrachtenden mit - wie er es selbst ausdrückt - \"all den hässlichen, verführerischen, faszinierenden Wahrheiten schwuler Männer\". Der Titel seines ersten Comic-Albums sagt alles: \"Horny & High\". Der Band schubst die Lesenden mittenhinein in den rastlosen Hedonismus der schwulen Großstadtgegenwart zwischen Dating-Apps, Sexpartys und den Entfremdungsmomenten, die sie mit sich bringen. Da wird die Nachtbusfahrt nach einem durchfeierten Abend zur melancholischen Erinnerungsreise durch die Untiefen einer verflossenen Beziehung, die fiebrige Spannung eines Abstechers in den Cruising-Park zur Konfrontation mit den eigenen Abgründen, der \"Chillout\" auf einer privaten Orgie erstickt im Dunst von Joints, Poppers und abgestandener Lust.
\"Horny & High\" schildert Momentaufnahmen aus dem Leben von Protagonisten, die dem Autor gleichermaßen als Alter Ego und als Projektionsfläche dienen - ein Balanceakt zwischen Authentizität und Selbstentblößung. Die Unmittelbarkeit teilt sich in jedem Bild dieses Comics mit. Wer nie auf (Chem-)Sex-Partys unterwegs war, erfährt hier, wie sie sich anfühlen, wer schon, wird sich in Firths Bilderwelten unweigerlich wiederfinden. Eine Erfahrung, die süchtig macht und Deutschlands schwulen Comic-Meister Ralf König so überzeugt hat, dass er zur deutschen Erstausgabe von \"Horny & High\" ein persönliches Vorwort beisteuert. Ein furioser Start für eine Serie, die Ed Firth in den folgenden Jahren zur Heptalogie auszubauen gedenkt.
1903 veröffentlichte Magnus Hirschfeld im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen die \"Lebensgeschichte des urnischen Arbeiters Franz S.\" Franz S. teilte nur wenige biographische Einzelheiten mit, konzentrierte sich ganz auf die Entwicklung seines Gefühlslebens. Seine volle Identität: Franz S. = Franz Siedersleben (1867 – 1908) wurde offenbar, als er wenige Jahre später seinen Kampf gegen den \"starren Sitten- und Moralkodex der Kulturgesellschaft\" aufgab und seinem Leben ein Ende setzte.
Sein Freund und früherer Arbeitskollege Karl Frey veröffentlichte die Lebensgeschichte erneut, ergänzt durch biographische Details. Sie erlauben es, der Biographie dieses \"urnischen Arbeiters\" deutlichere Konturen zu verleihen.
Neben der \"Sache der Homosexuellen\" galt sein Engagement der sozialen Frage, für die er sich als bekennender Sozialdemokrat in Wort und Tat einsetzte (einige Proben bietet der Textanhang). Ein herausragendes Beispiel: die \"freie Turnsache\" des Arbeiter-Turnerbundes.
\"Den Schwulen lass hier mal weg\" – diesen Rat bekam der Autor, als er in einem Aufsatz den schwulen Edmund Gabriel in Martin Walsers Anselm-Kristlein-Trilogie erwähnt hat. Dabei ist diese wichtige Figur schon so oft weggelassen worden, dass sie in der Wahrnehmung beinahe verschwunden ist. Doch was geht dabei alles verloren? Detlef Grumbach nimmt die Frage zum Anlass, seine Biografie als schwuler Leser zu befragen. In Beiträgen aus fast vierzig Jahren beschäftigt er sich mit deutschsprachigen Autoren und Werken, die ihn besonderes berührt haben. Wichtig sind ihm dabei vor allem solche Bücher, deren Gegenstände eng mit der Biografie der Autoren und zeitgeschichtlichen Umbrüchen verbunden sind. Ein einleitender Beitrag fragt nach den Bedingungen einer sogenannten ‹Schwulen-Literatur› und skizziert ihren langsamen Weg heraus aus dem Ghetto.
Mit Beiträgen über Klaus Mann, Friedo Lampe, Wolfgang Koeppen, Martin Walser, Walter Vogt und andere, einer Laudatio auf Ralf König und einem Dankeschön für eine Auszeichnung des Männerschwarm-Verlags.
Ein Buch wie ein Film: Schottland und Venedig, Paris und Griechenland. In raschem Szenenwechsel erleben wir die Jugendjahre von Lord Lyllian, Spross eines uralten Adelsgeschlechts. Als unglückliches Kind im \"wilden und melancholischen Teil Schottlands\" aufgewachsen, erwacht in ihm eine von der Mutter ererbte \"perverse Schönheit\".
Prägend für den jungen Mann wird die Begegnung mit dem Schriftsteller Harold Skilde, \"der schon in London und Paris durch sein Talent, seinen Geschmack und seinen gewagten Lebenswandel aufgefallen war\". So hält Oscar Wilde unter dem Namen Skilde Einzug in die Literatur - als großer Verführer, der schließlich den Reizen des jungen Lyllian erliegt.
Dieser erstmals 1905 erschienene Roman dient der Selbstvergewisserung des jungen Fersen, dessen Leben kurz zuvor eine entscheidende Wende erfahren hatte: 1903 wurde er wegen \"Verleitung von Minderjährigen zu Ausschweifungen\" zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Von ihm und seinen Freunden inszenierte \"lebende Bilder\" waren in der Presse als \"Schwarze Messen\" skandalisiert worden, und so wird auch im Roman über Satanismus diskutiert und die vermeintliche Schwarze Messe parodistisch aus der Schlüssellochperspektive geschildert.
\"Das stark gepfefferte, geistreichelnde und mit blasiert-weltmännischer Philosophisterei gewürzte Buch. verrät starkes Talent, gewährt interessante Einblicke in die Psychologie dekadenter, überkultivierter Lebemänner, und wirkt fesselnd durch die Gewandtheit des Pariser Esprit und der mit graziöser Feinheit gepaarten schelmischen Ausgelassenheit in Ausdruck und Dialog.\" (Numa Praetorius, 1908)
Als Angehöriger der französischen Kriegsmarine lernte Julien Viaud Weltmeere und Kontinente kennen, als Pierre Loti formte er aus seinen Erlebnissen eine Fülle von Romanen und Reiseberichten, die den Leser nach Konstantinopel, Palästina, Marokko und bis nach Japan und China führen.
In seinem frühen Roman Mein Bruder Yves (1883) geht es um ferne Länder nur am Rande; im Zentrum steht das Leben auf dem Schiff und die besondere Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler und Yves Kermadec, dem »geschicktesten, seetüchtigsten Mann« an Bord, der jedoch an Land dem Teufel Alkohol nicht entrinnen kann. Seine Schönheit – er ist »groß, schlank wie eine Antike, mit muskulösen Armen, dem Hals und den Schultern eines Athleten« – fasziniert den Erzähler. Er sieht es als seine Aufgabe an, Yves vor seiner eigenen Zügellosigkeit zu schützen, hat dies auch Yves\' Mutter versprochen.
Der autobiografische Hintergrund des Romans ist besonders deutlich. Die beiden fast gleichaltrigen, aber vom Temperament und von der sozialen Stellung her ungleichen Männer verband eine lebenslange Freundschaft, von der diverse Notate, Briefe und Fotos Zeugnis ablegen; der auch zeichnerisch begabte Pierre Loti imaginierte seinen »Bruder« dabei auch als nackten keltischen Heroen in mythischer Landschaft.
Als links engagierte Studentin und Hausbesetzerin war Ulrike Heider mit ein paar zornigen jungen Männern befreundet, die 1971 in Frankfurt am Main die Politgruppe RotZSchwul (Rote Zelle Schwul) gründeten. Die beginnende Schwulenbewegung erschien Heider wie eine zweite 68er-Revolte. Provokation, sexueller Hedonismus und spielerische Aktionsformen knüpften ebenso an den Antiautoritarismus von 1968 an wie an die radikale Kritik an der Gesellschaft, von deren undemokratischen Strukturen bis hin zu Ehe, Familie und schwuler Subkultur.
Es gelingt der Zeitzeugin, die Atmosphäre der 1970er und 80er Jahre aufleben zu lassen, die Positionen der rebellischen Schwulen aus dem historischen Kontext zu erklären und nachdrücklich an die neue Diskriminierungswelle mit dem Aufkommen von Aids zu erinnern.
Roter Faden der Erzählung ist das provokative Leben, das politische und künstlerische Wirken des 1992 an Aids verstorbenen Lyrikers Albert Lörken.
Felix und Alf, Gymnasiasten im Wilhelminischen Deutschland, entdecken ihre Sexualität, erleben die Liebe; doch Felix fügt sich schließlich den Geboten von Kirche, Schule und Staat. Enttäuscht meldet sich Alf als Kriegsfreiwilliger: Heldentod statt Liebe und Glück.
Die Neuausgabe von Alf erscheint zum 25. Todestag des Autors. Sie bietet den Text der Erstausgabe von 1929 in einer vom Autor durchgesehenen Fassung. Beigegeben sind einige Erzählungen, vor allem aus der Sammlung \"Ein Gulasch und andere Skizzen\" von 1928.
Mit Magnus Hirschfeld spazierte er durch den Tiergarten; mit Kurt Hiller war er über Jahrzehnte befreundet: der Schriftsteller Hugo Marcus (1880 –1966). Aus einer jüdischen Industriellenfamilie in Posen stammend, studierte Marcus in Berlin Philosophie, konvertierte Anfang der 1920er Jahre zum Islam und wirkte an der ersten Koran-Übersetzung ins Deutsche von muslimischer Seite mit. Von den Nazis als Jude abgestempelt, gelang ihm 1939 die Ausreise in die Schweiz, wo er nach 1945 häufig als Autor in der Zeitschrift \"Der Kreis\" vertreten war.
Marcus\' facettenreiches Leben, das der Historiker Marc David Baer 2020 unter den Stichworten \"German, Jew, Muslim, Gay\" nachzeichnete, hat seinen Niederschlag in einer reichen schriftstellerischen Tätigkeit gefunden, der dieses Lesebuch Tribut zollt. Die Texte \"Goethe und die Freundesliebe\" (1949) und \"Erinnerung an Magnus Hirschfeld\" (1965) sind ebenso vertreten wie der Versuch einer Harmonisierung des Islams mit der europäischen Geistesgeschichte. So gut wie vollständig ist Marcus\' literarisches Werk versammelt: Von dem frühen Roman \"Das Frühlingsglück\" (1900) bis zu \"Einer sucht den Freund\" (1961) kreist seine Arbeit um ein zentrales Thema: die Sehnsucht nach dem Freund und die (Un)möglichkeit, wahre Freundschaft zu leben.
Berlin 1930: Baron von Rotberg wird erpresst und steht vor dem Ruin. Erich Lammers, der Hauslehrer, will helfen und muss feststellen, dass der Erpresser sein eigener Bruder ist. Friedrich Radszuweit (1876–1932) war eine der Leitfiguren der frühen Emanzipationsbewegung.
Die Geschichte einer namenlosen Liebe aus der Friedrichstraße schildert ein Jahr im Leben des 15-jährigen Ausreißers Günther, der beginnt, als Strichjunge zu arbeiten. Erzählt wird aus der Sicht des Buchhändlers Hermann Graff, der sich in Günther verliebt und sich durch die daraus erwachsenden Schwierigkeiten – für Günther ist er nicht mehr als ein Freier – zunehmend über seine sexuellen Neigungen klarer wird.
John Henry Mackay lebte ab 1892 in Berlin und kannte die Welt, die er in \"Der Puppenjunge\" beschrieb, aus eigener Erfahrung. Magnus Hirschfeld lobte an dem Roman die \"formvollendete Sprache\" und den \"tiefen psychologischen Gehalt\". Christopher Isherwood bekannte noch 1985 beim Erscheinen der englischen Übersetzung (The Hustler), er habe das Buch »immer sehr geliebt« – es zeichne, wie er aus eigener Erfahrung wisse, trotz mancher melodramatischen Übersteigerung ein authentisches Bild der sexuellen Unterwelt Berlins.
Bekannt wurde John Henry Mackay (1864 –1933), der deutsche Dichter mit dem schottischen Namen, als Biograf und Wiederentdecker von Max Stirner sowie als Autor von Romanen wie \"Die Anarchisten\" und \"Der Schwimmer\". Anfang des 20. Jahrhunderts verfasste er außerdem unter dem Pseudonym Sagitta eine Reihe kleinerer \"Bücher der namenlosen Liebe\", auf die 1926 der Roman \"Der Puppenjunge\" folgte, der durch seine lebendigen Beschreibungen der schwulen Halbwelt Berlins bestach.
Felix Rexhausen, Journalist, Satiriker, Lyriker und Romanautor (1932 – 1992), war einer der ersten offen schwulen Autoren der Nachkriegszeit. Er ist bereits mit dem Roman \"Lavendelschwert\" und dem Erzählband \"Berührungen\" in der Bibliothek rosa Winkel vertreten. \"Zaunwerk\" ist der seinerzeit nicht veröffentlichte Vorläufer dieser beiden Bücher, wiederentdeckt vom Literaturwissenschaftler Benedikt Wolf. Schon 1964 abgeschlossen, entfaltet das Buch ein Panorama vom Leben der Homosexuellen der alten Bundesrepublik, ihrem Leben im Versteck, ihren kleinen Freiräumen und großen Sehnsüchten.
Für Benedikt Wolf ist Zaunwerk ein »schwuler Pioniertext im emphatischen Sinne«, der es mehr als verdient hat, fast sechs Jahrzehnte nach seiner Entstehung »aus dem Schrank« kommen zu dürfen.
EUR 12,99
Männerschwarm Verlag; 1. Edition
#lesbisch #Sachbuch Weitere Infos
In der 24. Ausgabe von Invertito, dem Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten, werden erstmals mehrheitlich Hauptbeiträge präsentiert, die sich mit Frauen begehrenden Frauen beschäftigen – und zwar vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik.
Aus dem Inhalt:
Lio Okroi: Queering History? Spannungsfelder des Erinnerns im Audioguide \"Queere Geschichte*n Freiburg\"
Ingeborg Boxhammer, Christiane Leidinger: Staatlich-medial begrenztes Empowerment? – Eine Geschichte der lesbischen Selbstorganisierung \"Neue Damengemeinschaft\" um 1900
Steff Kunz, Muriel Lorenz, Mirijam Schmidt: \"[S]ie nennen sich Bubi und Mädi, lachen, treiben allerhand Allotria\" – Lesbische* Lebenswelten im deutschen Südwesten
Kirsten Plötz: \"… eine der massivsten Bedrohungen\". Westdeutsches Ehe- und Familienrecht vs. lesbische Liebe, 1946–2000
Maik T. Schurkus: \"Guter Forster, geh und klag die Götter an.\" Georg Forsters Auseinandersetzung mit der gleichgeschlechtlichen Liebe
Manfred Herzer-Wigglesworth: Entretien avec M. Foucault – Notizen zur neuesten Hirschfeld-Kritik und Foucault-Apologie
Eike Wittrock: Fragmente einer Chronik des schwulen Theaters – 1956–1976
Nora Eckert: Meine Männer, welche Männer? Trans*Frau sein in hedonistischen Zeiten – ein Bericht über die 1970er Jahre
EUR 12,99
Männerschwarm Verlag; 1. Edition
#queer #Sachbuch Weitere Infos
Der spontane Aufstand gegen Polizeiwillkür in und um die Bar Stonewall Inn im New Yorker Greenwich Village steht für den Aftakt zur Zweiten Homosexuellenbewegung, die sich in mehreren westlichen Ländern infolge der 68er-Bewegung herausbildete. Mit seinem Schwerpunkt zur Homosexuellenbewegung dies- und jenseits des Atlantiks leistet diese Invertito-Ausgabe einen Beitrag zur Forschungsdiskussion, indem sie stärker als bisher einen (zentral-)europäischen Blick auf die Anfänge und das Erbe von \"1969\" in diese einbindet.
Aus dem Inhalt:
Hans-Peter Weingand: Macht der Bilder, Macht der Mythen: 50 Jahre \"Stonewall Riots\"
Irene Franken: Sie, 28 J., dunkler, sportlicher Typ, engagiert, sucht Partnerin. Die Gründung der Homosexuellen Frauenaktion in Köln, der ersten \"autonomen\" Lesbengruppe in der BRD, durch Gertraut Müller
Richard F. Wetzell: Rosa von Praunheim, Martin Dannecker und das Verhältnis der westdeutschen Schwulenbewegung zur homosexuellen Subkultur, 1971–1986. Von \"Nicht der Homosexuelle ist pervers …\" zum Streit in der Aids-Krise
Craig Griffiths: Die Ambivalenz der Schwulenemanzipation der 1970er Jahre. Ein kurzer Überblick
Alexander Mounji: Das \"Transsexuellen-Problem\" in der Kölner Frauenbefreiungsaktion, 1978/1979
Manfred Herzer-Wigglesworth: Walt Whitman und das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee
Michael Holy: Von der Überidentifikation zur Identifikation mit den Opfern. Eine Kritik an Alexander Zinns Text \"Wider die \'Überidentifikation\' mit den Opfern\"
Jörg Hutter: Forschungen zur Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit: \"Nur keinen Bezug zur Gegenwart herstellen!\" Ein Kommentar zu Alexander Zinns Ausführungen
Kultur entsteht, »sooft Sprache, Bewegung, Verhalten oder Gegenstände eine gewisse Abweichung von der direktesten, nützlichsten, unengagiertesten Weise des Ausdrucks und des In-der-Welt-Seins zeigen«, wie Susan Sontag definiert. Homosexuelle, denen in einer heterosexuellen Umwelt ein solcher »direkter« Ausdruck verwehrt bleibt, sind deshalb auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, »Kultur« zu erschaffen, und sei es in Form der subkulturellen Umdeutung der heterosexuellen Mehrheitskultur. Ob Trash, Divenkult oder ernsthafte Identitätskunst: Schwule sind die Kulturschaffenden schlechthin, doch Halperin schreibt: »Homosexualität ist an die Schwulen vergeudet«, weil die stattdessen ihr Heil in einer farblosen Homonormativität suchen.
Halperin analysiert die Entwicklungslinien schwuler Kultur und Subkultur und hält ein geistreiches und oft witziges Plädoyer für offen gelebte Diversität, das nicht nur angepasste Schwule aufrütteln soll. Denn: »In gewisser Hinsicht ist Homosexualität Kultur. Deshalb braucht uns die Gesellschaft.«
Viele Spuren der Geschichte gleichgeschlechtlich liebender Menschen in Deutschland führen in den deutschen Südwesten, das heutige Baden-Württemberg. Auch hier fanden sich in den repressiven 1950er Jahren Männer zusammen, um den Kampf um ihre Bürgerrechte wieder aufzunehmen, während die Unterdrückung so stark war, dass man wegen Homosexualität sogar der Universität verwiesen wurde. Vier Beiträge zu Verfolgung und Gegenwehr bilden den Themenschwerpunkt dieses Jahrbuchs.
Die historische Erforschung des Schicksals der Homosexuellen in der NS-Zeit fördert weiterhin gewichtige Erkenntnisse zu Tage. Zunächst über Jahrzehnte ignoriert, dann zögerlich erforscht, wird diese Geschichte erst heute in allen ihren Hinsichten aufgearbeitet. Nur ganz selten werden die Erkenntnisse in voller Breite dargeboten, das letzte Mal im Jahre 2002. Inzwischen werden neben den Rosa-Winkel-Häftlingen in den Konzentrationslagern auch die Verfolgung der lesbischen Liebe und der Transgender thematisiert. Was Erinnerungskultur bedeutet und wie sie zu gestalten ist, hat an Gewicht gewonnen. Zudem droht vom rechtsextremen Lager her die Wiederkehr der Homophobie.
Dieses Themenheft der Zeitschrift Invertito enthält zwölf brandaktuelle Abhandlungen mit neuen Funden und Antworten
auf Streitfragen. Das wird Kontroversen auslösen. Mit Beiträgen von Birgit Bosold, Lutz van Dijk, Insa Eschebach, Norbert Finzsch, Anna Hájková, Burkhard Jellonnek, Rüdiger Lautmann, Laurie Marhoefer, Kirsten Plötz, Andreas Pretzel, Sébastien Tremblay, Alexander Zinn u.a.
Eine behütete Kindheit im zaristischen Russland, Flucht vor der Revolution, Ausschweifungen in der Pariser Boheme und Tod im KZ Neuengamme: In nur 45 Jahren (1900- 1945) durchlebt Sergej Nabokow bewegte Zeiten. In seiner aristokratischen Familie ist der unmännliche, stotternde Junge ein Außenseiter, nur ein \'Schatten auf dem Hintergrund meiner reichsten Erinnerungen\', wie sein berühmter Bruder Wladimir Nabokow ihn später beschreibt. Auf seiner Flucht verschlägt es ihn über Cambridge und Berlin nach Paris, wo er schnell Zugang zu den Kreisen um Cocteau, Diaghilew und Gertrude Stein erlangt. Als er schließlich an Opium zu sterben droht, bringt ihn ein Freund auf sein Schloss in Tirol, wo die Nationalsozialisten das Freundespaar 1941 verhaften. Nach kurzer Haft wegen \'widernatürlicher Unzucht \' geht Nabokow nach Berlin, wo er als Übersetzer im Propagandaministerium arbeitet. Wegen politischer Äußerungen wird er 1943 ins KZ Neuengamme verbracht, wo er unmittelbar vor Kriegsende entkräftet stirbt. Wo Sergej Nabokow selbst nur undeutliche Spuren hinterlassen hat, bedient sich Paul Russell zeitgenössischer Quellen, darunter die Romane und Memoiren des berühmten Bruders Wladimir, und seiner Fantasie. So hat er ein ungemein lebendiges Bild dieser Epoche und ihrer Menschen geschaffen, vor allem aber einen packenden und geistreichen Roman.
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